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Detlef Beyer


Eine Chrome – Erweiterung für mehr Barrierefreiheit
Es gibt ja bereits eine Vielfalt an Werkzeugen, um die Barriefreiheit einer Website zu testen. Das ist gut, obwohl viele Websites wohl bis heute keines dieser Werkzeuge gesehen haben. Es ist ebenfalls wichtig zu erwähnen, dass keines der vielen Werkzeuge die Barrierefreiheit einer Lösung eigenständig prüfen kann. Sie finden im besten Fall 25-30% der möglichen Fehler. Trotzdem helfen die Werkzeuge im Altag durchaus. Sie helfen immer dann, wenn eine Person mit Wissen um die digitale Barrierefreiheit die Werkzeuge einsetzt. Nur dann können die Ergebnisse richtig interpretiert werden. Es gibt eine schöne und passende Redewendung dazu: „A Fool with a Tool is still a Fool„.
Interaktive Elemente und mögliche Fehler bei der Barrierefreiheit

Die von uns entwickelte und kostenlos im Chrome Web Store zu findende Erweiterung mit dem tollen Namen „A11y Button and Link Check“ ist ein solches Werkzeug. Sie zielt auf einen relativ klar umrissenen Bereich von möglichen Problemen. Es dreht sich um Buttons (im Deutschen wären dies „Schaltflächen“ und mit diesem Namen konnte ich mich noch nie anfreunden) und Links (auch hier möchte ich beim englischen Begriff bleiben). Weitere Elemente, sofern sie einen interaktiven Charakter haben, werden ebenfalls geprüft. Damit deckt dieses Werkzeug wirklich nur einen Teilbereich der digitalen Barrierefreiheit ab. Allerdings ist dies ein Bereich, bei dem es sehr häufig zu Problemen kommt. Das Werkzeug ist aus der Praxis heraus entstanden. Es setzt voraus, dass Nutzerin oder Nutzer die Ergebnisse interpretieren kann. Es ist nicht das Ziel, ein grünes Lämpchen aufleuchten zu lassen. Nach dem Motto: Jetzt ist alles OK, wir haben die WCAG (Web Content Accessibility Guidelines) Regeln erfüllt. Der „A11y Button and Link Check“ dient dazu, bei einer manuellen Analyse einer Seite schneller und gezielt bestimmte Eigenschaften prüfen zu können.
Der Umfang der Prüfungen

Die Chrome Erweiterung prüft eine Auswahl von wichtigen Eigenschaften aller gefundenen Buttons und Links der Seite. Dies sind:
- die mehrfache Nutzung eines identischen Namens („Label„) für unterschiedliche Sprungziele. Das würde z.B. den häufig zu findenden „Weiterlesen“ Button betreffen.
- die fehlende Übersetzung für ein Element. Hier ist ein ein „Search“ Button auf einer deutschen Seite das passende Beispiel.
- Namen für Buttons und Links, die einfach zu lang oder kompliziert sind.
- ein Unterschied beim Namen, den sich der Screenreader greift und dem sichtbaren Namen eines Buttons oder Links.
- ein Tabindex Attribut mit einem Wert größer 0.
- Links innerhalb einer Seite (Anchor), bei denen das Sprungziel nicht zu finden ist.
- Dialoge die sich ohne entsprechende Ankündigung öffnen.
Das Ergebnis kann man direkt in der Erweiterung prüfen oder im JSON- oder CSV-Format exportieren. Darüber hinaus liefert das Ergebnis weitere Details zu jedem Element. Ziel ist es, dass die manuelle Prüfung dieses Teilbereichs erleichtert wird. Alle gefundenen Probleme bedürfen der sachverständigen Betrachtung. Ob ein gefundener Fehler tatsächlich die Barrierefreiheit negativ beeinflusst, muss hier ein Mensch beurteilen und das ist gut so. Die Chrome-Erweiterung ist zurzeit nur in englischer Sprache zu haben.
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